



"RACHE! RACHE FÜR DIE SCHARFKLINGENMÜHLE!" brüllte Kaspar Massi, als seine Schlachtzuggruppe über die Wächter-Karawane herfiel.
Die sechzig handverlesenen Kämpfer griffen mit ihren Waffen im Anschlag an. Kelari und Bahmi ahmten den heulenden Schrei der Eth-Nomaden nach, die an ihrer Seite kämpften. Massi selbst war nomadischer Abstammung und beendete unter lautem Geheule mit seinem Krummsäbel den Versuch einer Karawanen-Wache, die anderen aufzufordern, zu den Waffen zu greifen.
An seiner Seite schwang ein Bahmi seinen Kriegshammer auf dem Rücken eines Tartagon und schlug Köpfe zu Brei, während sein Reittier mit dem Doppelmaul knirschend nach den Kadavern schnappte. Hinter ihnen verwandelte eine Reihe Bogenschützen die Wägen und Tiere der Karawane in sich windende Kakteen.
Die Skeptiker trieben die Überlebenden zusammen und umzingelten sie. Massi hatte gerade tief Atem geholt und wollte sie auffordern, sich zu ergeben, als das Horn ertönte.
Der Klang war tief und düster, so als ob die altehrwürdigen Granitwälder ihr Missfallen den Skeptikern entgegen schmetterten, gefolgt von schweren Schritten in klirrendem Harnisch. Dreißig Mann in glänzender, grüner Rüstung erschienen auf dem Hügel. Sie trugen ein Banner, auf dem stand: "XII." Aber Massi hatte nur Augen für den Mann neben dem Standartenträger.
Der Kommandant blickte wütend auf den Skeptiker, der es wagen sollte, es mit ihm aufzunehmen. In seinem Blick lag Verachtung, so als wolle er sie auf sie spucken und dadurch sie fortspülen. Die Stille war unheimlich, als er das Kommando anführte und seine Männer neben ihm Schritt hielten. Als er rannte, hielt er eine schwarze Streitaxt fest umklammert. Frederic Kain schwang seine Waffe nicht wie ein Berserker, sondern trug sie vor seiner Brust. Sein grimmiger Blick sprach Bände: "Das ist alles, was ich für Euch habe."

Bevor sie aufeinandertrafen, stießen die Wächter nur einen einzigen, wütenden Schrei aus. Sie schwangen ihre Waffen im Gleichklang und fegten den ersten Rang der Skeptiker hinweg. Massi stellte hocherfreut fest, dass seine Truppen standhielten, bestärkt davon, dass sie in der Überzahl waren und beflügelt von ihrem Stolz. Ihre Bogenschützen waren sogar gut genug, die hintersten Ränge der Wächter drastisch zu dezimieren. Massi bahnte sich den Weg durch das Gemenge und fand sich Angesicht zu Angesicht mit Frederic Kain wieder.
Massi kämpfte unter lautem Gebrüll und seine Truppen standen ihm in Nichts nach. Aber Kain scherte sich nicht darum. Die grauen Augen in seinem markanten Gesicht waren reglos wie Granit und das einzige Anzeichen, das seine Anspannung verriet, war eine geschwollene Ader, die sich gegen seinen von Grau durchzogenem, blonden Bürstenschnitt abzeichnete. Er schlug Massis Wächter zweimal nieder, scheinbar desinteressiert, welchen Skeptiker er gerade tötete, aber Kaspars Behändigkeit - dass er nur noch ein Bein hatte, konnte leicht einen falschen Eindruck erwecken - rettete ihm das Leben und er fügte dem großen Mathosianer einen Schnitt über der Augenbraue zu.
Da bemerkte Massi, dass die Bogenschützen sich nicht am Nahkampf beteiligt hatten. Kain trat einen Schritt zurück, um sich das Blut aus den Augen zu wischen, was Massi ausnutzte, um sich frei zu machen und über ihren Standort hinweg zu blicken.
Die 12. Wache hatte seine Bogenschützen überrannt und der letzte unter ihnen kreischte auf, als ein Spalthammer auf sein Gesicht fiel wie ein Meteorit aus dem Himmel. Massi blickte zurück zu Kain. Auf dem Gesicht des Wächter-Kommandanten zeichnete sich inmitten des Gefechts ein Lächeln ab: Es war ein breites, zähnebleckendes Grinsen, das ein Löwe einer verletzten Hyäne zuwarf. Massi wusste, dass die Wachmänner aus dem Hinterhalt sich näherten, um diesen Zangengriff wie aus dem Lehrbuch zu schließen.
"Alle Mann den Rückzug antreten!", brüllte er. " Nur die Auserwählten, haltet sie auf!" Erst als er sich über den Hügel mit seinen verbleibenden, sterblichen Soldaten in Sicherheit gebracht hatte, hörte er das dröhnende Kriegsgebrüll der siegreichen 12. Wache.
"TOD!" donnerte Kain. "AUF WIDERSTAND STEHT DER TOD!"
"Habt Ihr es?" wandte sich Frederic Kain an den väterlichen Karawanenführer.
Er saß dem Paladin gegenüber, in einem der überdachten Wägen der Karawane und hatte Tränen in den Augen. "Ich muss mich noch einmal bei Euch und Euren Wachmännern bedanken, Kommandant. Ohne Euch wären wir alle …"
"Wir tun unsere Arbeit gerne. Nun, aber … Habt Ihr es?"
Der ältere Mann nickte nervös und öffnete die Truhe, die zwischen ihnen auf dem Tisch stand. Aus der Dunkelheit der Kiste drang ein furchterregendes, markerschütterndes Kreischen. Kain wich vor dem Lärm zurück. In seinem Gesicht zeichnete sich völlige Verzweiflung ab, die sich allmählich in eiserne Entschlossenheit wandelte. Er griff in die Kiste, packte das Geschöpf und zerquetschte es in seiner Faust, bis es keinen Laut mehr von sich gab.
"Bitte, Kommandant", sagte der Händler. "Warum wolltet Ihr es haben? So eine üble Kreatur, was auch immer das war. Bei der Vigilie, Ihr scheint mir nun noch blasser zu sein als zuvor."
"Das ist eine Bürde, die mir alleine auferlegt wurde", sagte Kain. Er besaß nicht nur einen eisernen Willen, sondern auch ein Rückgrat aus Stahl. "Wenn ich sie nicht auf mich nehme, wird das jemand Schwächeres tun."
Kain erhob sich und ging zum Anfang der Karawane, wo seine Männer sich mit den Gefangenen und dem Katapult davonmachten.
"Sir", sagte Hauptmann Ledisko. "Das Katapult ist innerhalb der Reichweite von Perspice. Aber wir können die Siedlung nicht mit nur einem Katapult einnehmen.
Kain blickt auf seinen Hauptmann. "Ich plane nicht, etwas einzunehmen. Nicht mit dieser Munition."
Ledisko war perplex. "Munition? Sir, Ihr wolltet nicht, dass wir Steine mitbringen, die man schleudern kann." Dann folgte er dem Blick seines Kommandanten zu den gefangenen Skeptikern, die in einer Reihe aneinander gekettet waren. Ihre Gesichter waren düster und abweisend. "Ich verstehe."
"Wiederstand wird mit dem Tod belohnt", sagte Kain und legte seine Axt ab, als seine Männer den ersten Gefangenen unter den Armen packten und zum Katapult zerrten.